Dienstag, 4. November 2008

Von Yûlash nach Phlan [Chronik]

Aus den Aufzeichnungen des Eliah Weißmantel, Erster Kanonit des Deneir zu Phlan

Phlan, im Jahr der Wiedergeborenen Helden (n.T. 1463)

Nun, da sich die Vorsehung anschickt, einen weiteren Teil des Großen Plans zu erfüllen und die Wiedergeburt der Vier kurz bevor steht, ist es an mir, jenen bescheidenen Teil zu leisten, den mir die Götter im unendlichen Lauf des Großen Rades zugesehen haben. Im Jahr der Wütenden Stürme (n. T. 1374) führte die Bestimmung vier Krieger in die Stadt Yûlash. Sie kamen von weit her und ein jeder von ihnen folgte einem eigenen Vorsatz und seiner eigenen Intutition. Keiner unter ihnen ahnte damals, dass es einmal in ihrer Hand liegen werde, die Geschicke der Mondsee zu bestimmen und dass es ihr heldenhaftes Opfer sein wird, das eine der finstersten Bedrohungen abwenden wird, der Faerun je ansichtig ward. Dies ist ihre Geschichte und ich bin ihr Chronist. Ich will Zeugnis ablegen von Ihren Taten und sie für die Nachwelt aufzeichnen und dabei so wahr sprechen, wie mir die wenigen Aufzeichnungen und mündlichen Überlieferungen es erlauben. Deneir schenke mir, seinem gehorsamen Diener, die Weisheit, Wahres von Falschem zu erkennen und die Einsicht, die Geschehnisse so wiederzugeben, wie sie sich zugetragen haben.

An jenem Tag im Marpenoth des schicksalsschwangeren Jahres 1374 also trafen sich jene vier Krieger, die dereinst die Helden von Phlan werden sollten. Von Südwesten her kam Herikos von Reth, der Unbeugsame, Sieger von Mar-Anthor und Bezwinger ungezählter Feinde, um fernab der grünen Küsten seiner sonnigen Heimat Chessenta mit Speer und Schild für Ruhm und Ehre zu streiten. Aus dem Cormanthor kam Wulfgar der Waldläufer, Gesegneter Silvanus' mit seinem treuen Begleiter XXX. Von Süden her kam Asgardin vom Orden des Brennenden Rades, um mit Taten die Lehren seines Gottes zu verbreiten und die Schandhaften und Feinde der Gerechtigkeit mit dem heiligen Zorn Tyrs zu überziehen. Auf der gleichen Straße kam auch Huskall, der Rastlose, auf seiner Suche nach Wohlstand und Heimat - und um eine alte Schuld abzutragen. Es waren diese letzten beiden, die kurz nach ihrem scheinbar zufälligen Zusammentreffen an einem Rastplatz am Straßenrand, ein namenloses Kind aus den Händen von ungeheuerlichen Häschern befreiten. Wie die Helden später erfuhren war das Kind mit einer großen Zahl anderer Kinder einige Tage zuvor aus seinem Dorf verschleppt worden, dem kleinen Mädchen war jedoch die Flucht gelungen. Die mutigen Kämpen beschlossen, das Kind zunächst in ihre Obhut zu nehmen und in Yûlash zu entscheiden, was weiter zu tun sei.

Doch als die vier Streiter die Stadt erreichten, erkannten sie sie nicht wieder. Yûlash war zu jener Zeit nurmehr eine Ruine; Jahre des Krieges zwischen den schwarzen Horden von Zhentilfeste und den Rotfedern Fernbergs hatten Fluren und Felder verheert, Hütten und Häuser zerstört, unermessliches Leid über die Stadt und das umliegende Land gebracht und ungezählte Krüppel, Witwen und Waisen hinterlassen. In einer namenlosen Schenke trafen die Helden schließlich aufeinander, sie kannten sich nicht und doch erkannten sie sich als gemeinsame Fremde in dieser von Krieg und Zerstörung gepeinigten Stadt und saßen zusammen, tranken und redeten. Und wie es das Schicksal wollte, wurden sie gewahr, dass sie einen gemeinsamen Bekannten hatten - Gideon Mandelauge, der ihnen allen ein Freund aus alten Tagen war und den ein jeder von ihnen Hoffnung hatte, in jenen Tagen in Yûlash aufzufinden. Doch kaum hatten sie diese Gemeinsamkeit erkannt, trat ein junger Barde namens Pagan Tomus an sie heran, der sich als Harfner zu erkennen gab und ihnen mitteilte, dass der Halbelf nicht hier sein könne und sie inständig bitte, eilends nach der Stadt Phlan zu kommen, wo er sich derzeit aufhalte.

Noch in derselben Nacht, ein schwerer Sturm hing über den Hügeln der westlichen Mondsee, brachen die neu gefundenen Gefähten auf. Sie beschlossen jedoch, nicht direkt nach Phlan zu reisen, sondern der Spur nachzugehen, die zu dem Schicksal des Kindes führten. Unter der Führung des Wulfgar und den Fährten der Häscher des Kindes folgend, trafen die Helden schließlich auf einen breiten Pfad inmitten der waldigen Wildnis südlich von Yûlash. Der Pfad war erst in diesem Sommer angelegt worden und war breit genug, um einer Armee als Straße zu dienen. Hier stießen die Gefährten auch auf die Spuren des Wagens, in den die Kinder gesperrt worden waren. Dem Wege folgend, gelangten die Helden schließlich in das Hügelland südöstlich Yûlashs und wurden in der Nacht dann von einer großen Gruppe Zhentiler Soldaten unter der Führung des Vlad Mordovik angegriffen, deren sie sich jedoch siegreich erwehren konnten. Den überlebenden Feinde, darunter auch Vlad Mordowik und eine finstere Hexerin gelang jedoch die Flucht. Schließlich gelangten die Helden an die Küste der Mondsee und fanden dort am Ende des Pfades eine kleine Befestigung zhentiler Soldaten vor. Nachdem alle Feinde besiegt waren, erfuhren sie von einem der Überlebenden, dass die Zhentilar dort über den Sommer einen Außenposten errichtet hatten, um die Kämpfe gegen Fernberg zu unterstützen. Von den Kindern wusste der verwundete Söldling nur zu berichten, dass sie von einem banitischen Hohepriester in Empfang genommen wurden und nach Zhentilfeste gebracht wurden.

Noch in der Nacht zogen die Helden weiter und erreichten nach einigen Tagen schließlich Phlan, wo sie sich daran machten, ihren Freund Gideon Mandelauge zu finden. Der Harfner war zu dieser Zeit bei der Obersten Richterin der Stadt, einer Halborkin namens Kella Voskorm. Als die Gefährten ihren Freund schließlich aufsuchten, waren sie erschrocken, denn der ehemals lebensfreudige und fröhliche Halbelf war nurmehr ein gebrochener Mann und was sie von ihm erfuhren, ließ sie zornig werden und schnelle Vergeltung schwören. Gideon berichtete, dass er vor einigen Wochen von Zhentilfeste kam, wo er für die Harfner Neuigkeiten gesammelt hatte. Auf dem Rückweg jedoch wurde er von einer Bande vermummter Gestalten überwältigt und fand sich schließlich wieder in einem dunklen Verlies. Er erzählte, wie er gefoltert und misshandelt wurde und die Helden merkten es dem mutigen Halbelfen an, dass er große Bestürzung spürte, weil er unter der Folter bedeutende Geheimnisse preisgegeben hatte. Er berichtete, dass er im Verlies zu verzweifeln dachte und nicht hoffte, seinen Peinigern jemals wieder entkommen zu können. Schließlich war ihm wohl jedoch dennoch die Flucht gelungen, denn seine nächste Erinnerung sei, wie er in Kellas Obhut aufwachte. Thormod Sturlusson, ein Jäger aus Phlan, hatte ihn in den Wäldern nördlich Phlans gefunden, ohnmächtig, mit zerschundenem Leib und völlig entkräftet.

Ergriffen von der Geschichte des Halbelfen schworen die Gefährten, seine Sicherheit zu gewähren und fassten umgehend einen schlauen Plan, der die Feinde Gideons zumindest ablenken sollte. Herikos mietete bei den Drei Sonnen ein Schiff an, das am nächsten Tag auslaufen und Gideon angeblich nach der Stadt Elfenbaum bringen sollte, der Halbelf sollte jedoch weder Phlan noch seine Obhut bei Kella verlassen. So geschah es denn auch und am nächsten Tag segelte ein leeres Schiff von Phlan nach Elfenbaum.

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